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Expedition ins Gebiet Naryn (I) |
Nun ist ein Taigan bei den Kirgisen seit alters her ein wahrhaft „königliches“ Geschenk, doch die Norweger hatten ihrem Gast schon vor Wochen signalisiert, dass weder König Harald noch Ministerpräsident Bondevik eine Verwendung für eine solche Gabe hätten. Nach Aussagen der kirgisischen Delegation hat die entsprechende Mitteilung die Kanzlei von Präsident Akajew aber nie erreicht – in norwegischen Regierungskreisen vermutet man, dass sie entweder in der für Norwegen zuständigen Kirgisischen Botschaft in Berlin oder aber im Außenministerium in Bishkek liegengeblieben ist.
Nun waren die Gastgeber in
einem doppelten Dilemma: Nicht nur, dass weder König noch Ministerpräsident
die lebenden Gastgeschenke der Kirgisen haben wollten – von Amts wegen
waren die norwegischen Behörden zudem noch verpflichtet, die beiden
Welpen zu beschlagnahmen, da keinerlei Einfuhrpapiere für sie vorlagen
und somit eine viermonatige Quarantäne vorgeschrieben war. Auf der
anderen Seite wäre es aber einem schweren Fauxpas gleichgekommen, den
Staatspräsidenten aufzufordern, die Hunde wieder mit zurück nach
Kirgistan zu nehmen. Aus der Klemme half der
konservativen norwegischen Regierung schließlich Trondheims Bürgermeisterin
Rita Ottervik von der oppositionellen Arbeiterpartei, die sich in einem
Akt parteiübergreifender Solidarität dazu bereit erklärte, die
Verantwortung für die zwei Hunde zu übernehmen und somit einen
diplomatischen Eklat zu verhindern. Die beiden Welpen wurden
nach Eidsvoll bei Oslo gebracht, wo sie in einer neuen Quarantänestation betreut
wurden, bis sie ihre neue Heimat ganz legal betreten durften. Mehrere Tage lang beherrschten die heimatlosen Taigan-Welpen die Schlagzeilen der Presse zwischen Kristiansand und Nordkap.
Nach Ablauf einer zehntägigen Innenquarantäne durften sich die Welpen, die mittlerweile aufgrund ihrer ursprünglich "königlichen" Bestimmung vom Personal der Quarantänestation auf die Namen "Cæsar" und "Kleopatra" getauft wurden, auf dem Außengelände der Quarantänestation austoben, und ein von der Stadt Trondheim gebildeter Ausschuss wurde mit der Aufgabe betraut, unter den zahlreichen Bewerbern die künftigen Besitzer aussuchen. Auch in Kirgistan blieb die Aufmerksamkeit, die den beiden Taigan-Welpen in Norwegen zuteil wurde, nicht unbemerkt. Am 12. Dezember 2003 veröffentlichte die Trondheimer Zeitung "Adresseavisen" Auszüge aus einem Brief von Staatspräsident Akajew, in dem dieser dem norwegischen Volk für seine Sorge um die beiden Welpen dankte. Akajew betonte die wichtige Rolle des Taigan in der kirgisischen Kultur und und bezeichnete die beiden Welpen als Symbol für die starken Freundschaftsbande zwischen dem norwegischen und dem kirgisischen Volk. Am Freitag, dem 19.12.03 wurden im Trondheimer Rathaus den neuen Besitzern der Taigan-Welpen die mit dem Stempel der Stadt Trondheim versehenen Ahnentafeln als Besitzurkunde übergeben. Der Rüde wird bei Ingvild Espelien leben, einer Dozentin des Instituts für Kleintierkunde an der Hochschule von Øya, wo seine Entwicklung auch wissenschaftlich begleitet werden wird. Die Hündin geht in den Besitz von Eva Vernstad, einer langjährigen Windhundbesitzerin aus der Nähe von Trondheim. Mit Ablauf der Quarantänezeit am 01.04.04 wurden die beiden Junghunde ihren neuen Besitzerinnen übergeben. © Jan Scotland
Website von Ingvild Espelien, Besitzerin von "Cæsar"
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