Flagge der Kirgisischen Republik

 

Home

Der Taigan

Texte
  - Reisebericht 2002
  - Welpen in Norwegen
  - Artikel von 1964
 
- Standard von 1964
 
- Artikel von 1991
 
- Die Taigan Society
 
- Wort über den Taigan
  - Gerüchte und Fakten
  - Eigenarten der Rasse
  - Jagd mit dem Taigan
  - Jagd mit Greifvögeln
  - Legende von Kumayik

Articles in English

Статьи на  русском языке

Rassestandard

Ausstellung in Bishkek 2002

Jagd am Issyk-Kul

Jagd mit Adlern

Expedition ins Gebiet Naryn (I)

Expedition ins Gebiet Naryn (II)

Steinbockjagd bei Kegeti

Taigan-Welpen

Landschaften

Links


Der Taigan - Gerüchte und Fakten

Von Almaz Berdigulovich Kurmankulov, 

führender Experte für die Windhundrassen in Kirgistan, Kynologe beim Jagd- und Fischereiverband der Kirgisischen Republik, verantwortlicher Sekretär des Republikanischen Kynologischen Rates der Kirgisischen Republik, Biologe. 

In der Vorstellung der meisten Menschen ist der Kirgisische Windhund Taigan ein Mysterium. Tatsächlich ist diese Rasse relativ selten und sie hat einige Eigenschaften, die sie von anderen orientalischen Windhunden unterscheiden und die sie einzigartig machen: Der Taigan kann sich an seine Aufgaben und an die lebensfeindlichen Bedingungen des Hochgebirges mit seinem schweren Gelände perfekt anpassen, und er hat einen exzellenten Geruchssinn. Die Ursprünge des Taigan reichen weit in die Geschichte zurück. In dem meisterhaften Epos des kirgisischen Volkes, dem “Manas”, welches über tausend Jahre alt ist das und die nationalen Epen anderer Völker an Länge und Alter weit übertrifft, findet sich bereits eine Beschreibung des Taigan als bestehende Rasse mit produktiven Qualitäten. Die Kirgisen waren immer Nomaden, die weite Gebiete Zentralasiens durchzogen, bevor sie ihre Heimat in den Bergen des Tien Shan fanden. Sie wanderten gemeinsam mit ihren Viehherden und Hunden. Entsprechend den Jahreszeiten lebten unsere Vorfahren in den Bergen, in den Wäldern, in Steppen und Wüsten. Daher mussten ihre Hunde sehr widerstandsfähig und stark sein.

Es ist sehr wichtig, das Wissen unserer Vorfahren über die Zuchtselektion zu bewahren und wertzuschätzen. Es gibt hervorragende Beispiele nomadischer Züchterkunst, so beispielsweise das Arabische oder das Akhal Tekiner Pferd. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Laien, die argumentieren, dass derart alte Rassen lediglich lokale Formen sind, die einem züchterischen Zufall entspringen. Eine solche Argumentation, die eine völlige Missinterpretation züchterischer Ziele darstellt, ist eine Gefahr für alte, hervorragende Haustierrassen, die dem Menschen über die Zeitalter hinweg gedient haben. Tatsächlich ist es aber unmöglich, eine Population ausschließlich über eine kontrollierte Zucht zu bewahren. Es ist vielmehr notwendig, dass es neben einer begrenzten Population, die nach festen Kriterien gezüchtet wird, eine Vielzahl von Tieren gibt, die einer normalen Entwicklung überlassen bleiben.

Ein weiteres Gerücht besteht darin, dass es sich beim Taigan um einen Abkömmling des Afghanischen Windhundes oder des Tazy handelt. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Die Behauptung, dass der Taigan irgendwann nach Kirgistan “eingeführt” wurde, ist absurd. Obwohl die Völker Afghanistans, Kirgistans und Kasachstans Nachbarn sind, haben sich ihre Kulturen doch getrennt entwickelt. Auch wenn es Handelsbeziehungen gab, so teilte der Prozess der züchterischen Selektion doch nicht diese Analogie. Der Prozess der Selektion basiert auf wesentlich engeren Beziehungen. Unterschiede in der Geographie, im Klima und die Fähigkeit der Anpassung an solche Bedingungen stellen wesentliche Trennlinien dar. Aus dem Biologiekurs kennen wir das Gesetz der Homologie, welches bedeutet, dass Organismen, die unter ähnlichen Umweltbedingungen existieren, parallele Merkmale entwickeln können. Dies ist beispielsweise der Fall beim Maulwurf und der Maulwurfsratte, bei Hai und Delfin, Springmaus und Känguru, aber eben auch bei Haustierrassen. Wenn unterschiedliche Umweltbedingungen vorliegen, entwickeln sich logischerweise unterschiedliche Merkmale. Dies ist auch der Fall beim Kirgisischen Taigan.

Es wird auch behauptet, dass der Taigan ein reizbares Temperament aufweist. Dies ist nicht korrekt. Nomaden benötigen keine nervösen und unberechenbaren Hunde. Ihre auf Jagd und Viehzucht basierende Lebensführung verlangt einen verlässlichen Hund als Begleiter. Diese Anforderungen stellten die Basis ihrer Zuchtauswahl dar, nicht jedoch eine zweifelhafte Auswahl, die Aggressivität für sportliche Zwecke über Verlässlichkeit und Kooperation stellt. In Kirgistan haben wir ruhige Hunde mit gutem Wesen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass man die Hunde provozieren oder misshandeln darf, um ihre Reizschwelle auszutesten.

Eine einmalige Eigenschaft des Taigan ist seine Fähigkeit, gemeinsam mit dem Steinadler oder anderen domestizierten Greifvögeln zu jagen, beispielsweise zusammen mit dem Falken. Hierfür muss der Welpe gemeinsam mit dem jungen Adler aufgezogen werden, wenn auch nicht unbedingt im direktem körperlichen Kontakt. Es gibt jedoch auch eine Meinung, die davon ausgeht, dass ein körperlicher Kontakt notwendig ist. Bereits in jungem Alter werden der Taigan und der Adler gemeinsam darauf trainiert, gemeinsam zu arbeiten.

Der Taigan kann nicht nur als ein reiner Windhund jagen, sondern er beherrscht auch die lautlose Arbeit als Spürhund. Dies ist sehr nützlich für die bevorzugte Jagdweise der Greifvögel. Die Annahme, dass dies ein Mysterium ist, das als Geheimnis des Orients gehütet wird, hat jedoch keine Basis: Die Methoden der Aufzucht und des Trainings bestehen ganz konventionell in der positiven Bestärkung erwünschten Verhaltens und des Verbotes unerwünschter Aktionen. Folglich spiegelt der Taigan den Lebensstil des kirgisischen Volkes: Der Hund muss anspruchslos sein und seinem Besitzer folgen. Wenn sein Besitzer abwesend ist, muss er das Pferd oder den Ochsenkarren bewachen. Wenn ein Raubtier auftaucht, muss er es abwehren. Während der Nacht muss er wachsam gegenüber Bedrohungen sein. Natürlich erfordert dies spezielle Trainingsmethoden, doch diese sind einfach und verständlich, und kein Geheimnis. Um beispielsweise zu verhindern, dass ein Hund gestohlen wird, gibt es eine einfache Methode: Vom Welpenalter an hat der Taigan nur einen Betreuer. Andere Menschen sollen den Welpen nicht anfassen. Wenn der Welpe heranwächst, wird er sich anderen Menschen ohne die Begleitung seines Herrn nicht näheren. Solcherart ist es unmöglich, den Hund zu stehlen. Ein anderes Beispiel ist die häufig gestellte Frage darauf, wie man es dem Hund beibringt, neben dem Pferd zu laufen. Die Antwort ist ganz einfach: Man füttert den Welpen in der Nähe eines Pferdes.

Um ein richtiges Verständnis für die Qualitäten der Rasse zu entwickeln, ist es notwendig, Kenntnisse über die Menschen zu besitzen, die sie gezüchtet haben, und über das Land, in dem die Rasse entstanden ist. Dies trifft nicht nur für den Taigan zu, sondern für alle Haustierrassen. 

Quelle: National Society Kyrgyz Taigan, 2002

Aus dem Englischen von Jan Scotland