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Tierschutz
Der
Podenco Canario ausserhalb der Kanarischen Inseln
Wie
bereits eingangs erwähnt, ist der Podenco Canario ausserhalb seiner
Heimat eine sehr neue Erscheinung – erst seit wenigen Jahren gibt es überhaupt
die ersten Eintragungen in den Zuchtbüchern von Rassehundeverbänden
ausserhalb Spaniens, bei denen es sich ausschließlich um Hunde handelt,
die von Tierschutzorganisationen bzw. von tierschützerisch engagierten
Privatpersonen eingeführt wurden. Die Gesamtzahl der auf diesem Weg
beispielsweise nach Deutschland gelangten Hunde ist allerdings inzwischen
recht beachtlich, wie u.a. die hohen Teilnehmerzahlen an sogenannten „Podenco-Treffen“
zeigen, die in den letzten Jahren zunehmend von einschlägig engagierten
Organisationen veranstaltet werden.

Der aus Lanzarote
stammende Rüde "Perro" (Bes.
W. Feld/D) ist der erste Podenco Canario in Deutsch-
land, der im Besitz einer Coursinglizenz ist
Die
Vermittlung von Hunden aus Südeuropa (insbesondere aus Spanien) erlebt
momentan einen Boom, und ein Ende dieses Trends scheint, gleichgültig wie
man persönlich dazu stehen mag, momentan nicht absehbar zu sein.
Daher
sollten Tierschützer, Rassehundezüchter und Windhundsportvereine
gegenseitige Toleranz walten lassen, um sich nicht die Chance zu verbauen,
die zweifellos vorhandenen positiven Chancen dieses Trends zu nutzen:
·
Für die Besitzer
von Tierschutzhunden (ob nun Podenco Canario, Podenco Ibicenco, Galgo Español
oder andere) bieten die Windhundrennvereine mit ihren Trainingsangeboten
eine interessante Möglichkeit, das Bewegungsbedürfnis und den Jagdtrieb
ihrer Hunde zu befriedigen. Da viele Halter von Tierschutzhunden zudem das
erste Mal im Besitz eines Windhundes oder eines windhundähnlichen
Jagdhundes sind, bieten ihnen die Rennvereine überdies die Möglichkeit,
wertvolle Erfahrungen mit anderen Windhundbesitzer auszutauschen.
·
Für Windhundrennvereine
und Zuchtverbände stellen die Besitzer von Tierschutzhunden
ein interessantes Potenzial neuer Mitglieder dar, das man in den Zeiten
von Nachwuchssorgen und Vereinsmüdigkeit nicht einfach außer Acht lassen
sollte. Einzelne Besitzer von Tierschutzhunden nehmen inzwischen an
Coursings teil, und noch mehr von ihnen nutzen die Trainingsmöglichkeiten
der Rennvereine in den Bereichen Rennbahn und Coursing.
·
Für die Züchter
von Rassehunden stellen die Tierschutzorganisationen und die von ihnen
vermittelten Hunde – anders als mitunter befürchtet – keine
Konkurrenz dar. Aller Erfahrung nach sind die Interessenten von
Tierschutzorganisationen zunächst einmal eine vollkommen andere
Zielgruppe als die Welpeninteressenten von Züchtern. Aber über ihren
„geretteten“ Windhund oder Podenco geraten viele von ihnen überhaupt
erstmalig in Kontakt mit dem Windhundgeschehen, und in manchen von Ihnen wächst
über kurz oder lang der Wunsch, auch einmal mit einen Hund vom Züchter
am Windhundsport teilzunehmen.
Gewinner
sind in jedem Fall die Hunde, die in der ihnen ungewohnten und beengten
deutschen Umwelt die Möglichkeit erhalten, ihre angeborenen Instinkte
auszuleben. Der Appell an die Renn- und Coursingvereine kann also nur
lauten, sich gegenüber den neuen Hundefreunden aufgeschlossen zu zeigen
und sie willkommen zu heißen.
Auch
bei den Tierschutzorganisationen scheint mir jedoch Bewegung und
selbstkritisches Hinterfragen einiger Aspekte ihrer Arbeit notwendig zu
sein: So ist beispielsweise vollkommen unverständlich, dass viele von
ihnen in einem wenig nachvollziehbaren Konkurrenzverhältnis zueinander
stehen und ihre Differenzen mitunter sogar öffentlich oder im Internet
austragen, anstatt ihre personellen und finanziellen Ressourcen im
Interesse der Hunde zu bündeln.
Immerhin
noch nachvollziehbar sind die Vorbehalte einiger dieser Organisationen
gegenüber windhundsportlichen Aktivitäten: Sie lassen sich daraus erklären,
dass viele von ihnen mit den negativen Auswirkungen des kommerzialisierten
Renngeschehens in Spanien, Großbritannien oder Irland konfrontiert sind
und diese Erfahrungen mangels besseren Wissens verallgemeinern. Manche
Organisationen versuchen aus diesem Grunde sogar, den Besitzern
vermittelter Hunde die Teilnahme an Rennbahn- und Coursingtrainings zu
untersagen. Hier sollte eine behutsame Aufklärungsarbeit greifen, um zu
verdeutlichen, dass windhundsportliche Aktivitäten in Deutschland und den
meisten anderen Ländern Europas unter vollkommen anderen Bedingungen
stattfinden.
In
ihrem Nutzen mehr als fragwürdig ist aus meiner Sicht die von vielen
Tierschutzorganisationen betriebene Pauschalverurteilung der Jäger auf
den Kanarischen Inseln und in anderen Regionen Spaniens oder Südeuropas.
Schon
eingangs erwähnte ich die großen Bestandszahlen des Podenco Canario, die
man in Relation zu den auftretenden tierschutzrelevanten Vorfällen setzen
muss. Es ist eben nicht jeder kanarische Jäger ein schlechter Tierhalter
oder gar Tierquäler; ich habe zahlreiche Jäger auf Teneriffa erlebt, die
sich mit sehr viel Liebe und Engagement um ihre Hunde kümmern und deren
Hunde ein wunderbares Verhältnis zu ihren Besitzern haben – man sollte
sich vielleicht einen Moment in die Rolle dieser Podenco-Besitzer
versetzen und überlegen, wie es wäre, von Personen oder Gruppen aus dem
Ausland pauschal für die Verfehlungen der schwarzen Schafe aus der
eigenen Zunft verantwortlich gemacht zu werden. Auch als Deutscher möchte
man ja nicht unbedingt persönlich für den Umgang deutscher Bürokraten
und gewisser Politiker mit sogenannten „Listenhunden“ haftbar gemacht
werden!
Dennoch besteht für den
kanarischen Jagdverband zweifellos dringender Handlungsbedarf, seine
Mitglieder über artgerechte Tierhaltung aufzuklären und gegen
Tierquäler in den eigenen Reihen konsequent vorzugehen. Genau dieses
Ziel wird man jedoch kaum erreichen, indem einige Tierschutzorganisationen
unnötigerweise Mauern aus Vorurteilen und Vorverurteilungen
errichten und damit für ungewollte Solidarisierungseffekte unter
den Jägern sorgen, mit denen man sich selber die Basis für künftige
Gespräche nimmt. Erst recht wird dem Anliegen
des Tierschutzes kein guter Dienst
erwiesen, wenn selbsternannte Tierschützer unbefugt fremdes Eigentum
betreten, den Besitzer beschimpfen oder sogar
Hunde entwenden. Seriösen Tierschutzorganisationen,
die sich darum bemühen, die Einstellung der Bevölkerung
zu ihren Hunden langfristig zu verändern, wird damit die Arbeit massiv
erschwert oder sogar unmöglich gemacht.
Man
sollte sich auch hin und wieder ins Gedächtnis rufen, dass es die Jagd
– und ausschließlich die Jagd – ist, der der Podenco Canario (ebenso
wie die anderen mediterranen Rassen) seine Entstehung und sein Überleben
bis in die heutige Zeit verdankt. Entfiele diese Existenzgrundlage, so würde
dies über kurz oder lang das Ende dieser Rasse bedeuten - zumindest in
ihrer heutigen Form und Ursprünglichkeit. Wer dies möchte, sollte auch
so ehrlich sein, dies offen zuzugeben!
Ich
bin jedoch der Meinung, dass auch in unserer modernen Welt noch Platz für
Hunderassen sein sollte, die noch ihrer ursprünglichen Verwendung gemäß
gezüchtet und zur Arbeit eingesetzt werden!
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