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Erscheinungsbild & Wesen
Eindrücke vom Podenco Canario auf Teneriffa

Im September 2001 konnte ich auf Teneriffa eine Ausstellung der Fédéracion Provincial de Caza de Tenerife miterleben. Diese fand in der Nähe der meteorologischen Station von Izaña in etwa 2300 Metern Höhe statt. 

Einige hundert Jäger haben sich hier rings um einen in den spanischen Farben dekorierten Ausstellungsring versammelt, in dem eine mehrköpfige Jury alles beurteilt, was da an Hunden vorgeführt wird. Ein bestimmtes System oder eine Klasseneinteilung ist für mich zwar nicht erkennbar, doch ergibt sich auch so ein eindrucksvoller Überblick über das Erscheinungsbild der Rasse.    

Podenco Canario & Kelb tal-Fenek

Eine Gruppe Podencos Canarios auf Teneriffa. Der Hund mit 
dem breiten Halsband in der Mitte ist jedoch kein Podenco 
Canario, sondern meine auf Malta geborene Kelb tal-Fenek-
Hündin "Cetta". Viele Unterschiede zwischen den beiden 
Rassen werden erst beim genaueren Hinsehen deutlich.

Die gezeigten Podencos Canarios sind überwiegend mittelgroß und von hellroter, manchmal beinahe sandfarbener Fellfarbe. Das im Standard erwähnte und auch in der Literatur häufig beschriebene Tiefrot ist dagegen eher selten zu sehen. Viele der Hunde haben weiße Abzeichen, und auch gescheckte und rein weiße Exemplare sind zu sehen.  

In Größe und Gesamterscheinung ist der Podenco Canario dem Kelb tal-Fenek (Pharaoh Hound) von Malta weitaus ähnlicher als dem ihm geographisch deutlich näher stehenden Podenco Ibicenco von den spanischen Balearen – eine Ähnlichkeit, die insbesondere dann ins Auge springt, wenn ein Podenco Canario auch noch die entsprechende rote Fellfarbe mit weißen Abzeichen aufweist, was gar nicht so selten vorkommt.  

Bei genauerem Hinsehen fallen jedoch einige charakteristische Merkmale ins Auge: So hat der Podenco Canario einen auffallend langen, schmalen Kopf mit kaum ausgeprägtem Stop, dessen Profil aufgrund des beinahe fehlenden Stops mitunter die Assoziation mit einem Barsoischädel aufkommen lässt. 

Die Ohren sind beim Podenco Canario tiefer angesetzt als beim Kelb tal-Fenek – um es plastisch auszudrücken: Beim Kelb tal-Fenek stehen die Ohren auf "5 Minuten vor 1", beim Podenco Canario stehen sie auf "10 Minuten vor 2“. 

Das Brustbein ist wenig entwickelt und der gesamte Hund wirkt weit weniger substanzvoll und nicht so kompakt wie der Kelb tal-Fenek.  

Besonders auffällig sind die Pfoten des Podenco Canario: Ihre langen und flexiblen Zehen sind so weit abgespreizt, dass ein Laie leicht versucht sein kann, zu vermuten, dass er es mit einem durch Ernährungsmängel bedingten Haltungsfehler, d.h. mit durchgetretenen Pfoten, zu tun zu hat. Tatsächlich jedoch handelt es sich um ein typisches Merkmal der Rasse, das in direktem Zusammenhang mit der Topographie der Kanarischen Inseln steht: Um sich in dem lockeren und scharfkantigen Lavageröll der Inseln bewegen zu können, muss der Hund die Fähigkeit haben, sich mit den Pfoten mitunter regelrecht festhalten zu können.    

Pfoten

Die typischen Pfoten eines Podenco Canario

Bemerkenswert ist auch das Wesen des Podenco Canario: Nachdem das Richten beendet ist, werde ich von verschiedenen Jägern eingeladen, hausgemachten Rotwein zu probieren und mich am Picknick zu beteiligen (das, wie ich bald merkte, zum Abschluss jeder Jagd oder Ausstellung auf Teneriffa gehört). Dabei kann ich nun zahlreiche Hunde aus der Nähe betrachten, und rasch fällt mir etwas auf, das den Podenco Canario von den meisten anderen mediterranen Rassen unterscheidet: Das völlige Fehlen von Misstrauen gegenüber Fremden!  

Selbst diejenigen Hunde, die bereits wieder in den Fahrzeugen oder Hundeanhängern ihrer Besitzer platziert sind, kann ich ohne Probleme durch die Gitter hindurch streicheln, ohne dass diese auch nur das geringste Anzeichen von Angst oder Aggressivität an den Tag legen. Weder auf der Ausstellung noch in den Folgetagen auf der Jagd erlebe ich einen Podenco Canario, der sich nicht gerne anfassen lässt oder der gar aggressiv ist. Auch das Sozialverhalten der Hunde untereinander ist vollkommen problemlos: Mehrfach kann ich an den Jagdtagen erleben, dass verschiedene Rudel einander im Gelände begegneten, ohne dass es dabei zu den geringsten Anzeichen von Aggression kommt. 

Ein Grund hierfür mag sein, dass der Podenco Canario ausschließlich als Jagdhund verwendet wird – weder erfüllt er die Aufgabe eines Wachhundes, noch begleitet er Herden (wie ich dies gelegentlich auf Maltas Nachbarinsel Gozo beobachten konnte). Folglich wird bei der Selektion keinerlei Wert auf die hierfür notwendigen Wesensmerkmale gelegt.