Home

Einführung

Bilder

Erscheinungsbild & Wesen

Rassestandard

Geschichte

Jagd

Tierschutz

Perspektiven

Literatur

Links

Kontakt


Jagd
Die jagdliche Verwendung des Podenco Canario

Mehrmals konnte ich während meines Aufenthaltes auf Teneriffa den Jäger Nicolás Antonio Porras Gómez und seine Freunde mit ihren Hunden auf der Kaninchenjagd begleiten. Antonio, wie er von seinen Jagdgefährten kurz genannt wird, ist Präsident des Jagdverbandes „Los Chicharreros“ in der Inselhauptstadt Santa Cruz de Tenerife und unter den Jägern Teneriffas insofern eine Ausnahme, als er der einzige Podenco Canario-Züchter mit einem FCI-anerkannten Zwinger auf der Insel ist. Seine Hunde hat er vielfach erfolgreich auf CACIB-Schauen auf den Kanarischen Inseln, auf dem spanischen Festland sowie auf den Weltsiegerausstellungen in Mailand, Porto, Amsterdam und Dortmund präsentiert. Neben seiner Zuchtstätte „De los Tarahales“ gibt es auf den Kanarischen Inseln nur noch zwei weitere Podenco Canario-Zuchtstätten, die beim Spanischen Kennelclub RSCE und bei der FCI eingetragen sind – die beiden anderen Zwinger befinden sich auf Gran Canaria.    

Frettchen in der Mauer

Der Jäger hat ein Frettchen in die Felsspalte gesetzt. 
Nun verfolgen die Hunde oberirdisch das Geräusch 
des Frettchens und seiner Beute.

Die überwiegende Mehrzahl der Hunde auf den Kanarischen Inseln befindet sich seit jeher in der Hand von Jägern, die ausschließlich für jagdliche Zwecke und nach jagdlichen Kriterien züchten. Doch auch Antonios Hunde werden jagdlich geführt, und sie sind nicht nur auf Zuchtschauen, sondern auch auf Jagdprüfungen erfolgreich.  

An den Jagdtagen treffen wir uns gegen vier Uhr und fahren auf der Südautobahn bis zur Ausfahrt Arico. Hier verlassen wir die Hauptstrecke und biegen in einen Feldweg, den wir entlang fahren, bis schließlich kein weiteres Durchkommen mehr möglich ist. Während wir auf den Sonnenaufgang warten, treffen die Jäger ihre Vorbereitungen: Die Gewehre werden vorbereitet, die Frettchen werden mit Spangen versehen, die verhindern sollen, dass sie bei der Arbeit im Kaninchenbau ein Kaninchen erbeuten, und es werden Näpfe und Wasserflaschen eingepackt. Die Frettchen werden in gebogenen hölzernen Transportröhren (Corchos) untergebracht, so lange sie nicht zum Einsatz kommen.  

Als sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, werden die Hunde aus den Autos gelassen. Die Jagd mit Podencos und Frettchen ist (anders als auf Malta, wo mit dem Kelb tal-Fenek zumeist bei Nacht gearbeitet wird) auf den Kanaren nur bei Tageslicht erlaubt. 

Und es gibt noch weitere Auflagen: Nur an Donnerstagen, Sonn- und Feiertagen ist die Jagd überhaupt gestattet, und die Zahl der Hunde pro Gruppe (höchstens drei Jäger) ist auf 12 begrenzt. Ein einzelner Jäger darf maximal fünf Hunde mitführen. Die Jagdsaison beginnt im Frühjahr mit einem Trainingsmonat für die Hunde, während dem der Gebrauch von Schrotflinten und die Zuhilfenahme von Frettchen noch nicht erlaubt sind. Später ist der Einsatz von Frettchen zugelassen, und im Spätsommer darf dann eine Zeitlang auch mit der Schrotflinte gejagt werden. Zum Abschluss der Saison darf noch einen weiteren Monat mit den Hunden im Gelände gearbeitet werden, während der Einsatz von Gewehr und Frettchen schon wieder verboten ist.  

Die Jagdzeiten fallen je nach Insel unterschiedlich aus und werden jedes Jahr zwischen den lokalen Jagdverbänden und der Umweltbehörde neu ausgehandelt. Derartige Einschränkungen, deren Einhaltung von der Guardia Civil im Übrigen sehr konsequent kontrolliert wird, sind in Anbetracht der großen Popularität der Jagd auf den Kanaren sicherlich sinnvoll, um einer übermäßige Bejagung des Wildkaninchenbestandes zu entgegenzuwirken. Nachteilige Auswirkung ist allerdings, dass außerhalb der Jagdzeiten ein totaler Leinenzwang für alle Jagdhunde (einschließlich natürlich der Podencos) herrscht. Auf Gran Canaria hat der dortige Provinz-Jagdverband deshalb vor einigen Jahren eigene Trainingsgebiete eingerichtet, in denen sich die Hunde auch außerhalb der Jagdzeiten frei bewegen dürfen. Auf Teneriffa war dies zum Zeitpunkt meines Besuchs noch nicht der Fall – erst im Frühjahr 2003 wurden endlich auch hier die ersten Trainingszonen eröffnet. 

Sobald die Podencos von der Leine gelassen sind, beginnen sie unermüdlich, die Umgebung nach Anzeichen von Kaninchen zu durchsuchen. Der Süden Teneriffas ist von unzähligen natürlichen Schluchten (Barrancos) und Steinmauern durchzogen, in denen die Kaninchen reichliche Versteckmöglichkeiten finden.  

Kaninchenfänger

Der Rüde "Tinerfe
ño" hat selbständig ein Kaninchen auf-
gestöbert und gefangen. Nun apportiert er es zu seinem 
Besitzer. Auch wenn viele Vorurteile über den schlech-
ten Umgang der lokalen Jäger mit ihren Hunden im 
Umlauf sind, so scheinen die Hunde doch eine enge 
Bindung an ihre Besitzer zu haben, und die grosse 
Mehrheit der kanarischen Jäger bringt ihren exzellenten 
Jagdgefährten eine hohe Wertschätzung entgegen.

Sobald einer der Hunde ein Kaninchen im Gelände aufgestöbert hat, verfolgt er es, wobei das typische  Jagdgebell ertönt, das für alle mediterranen Rassen typisch ist: Das Signal für das gesamte Rudel, die Verfolgung der Beute aufzunehmen. Für den weiteren Verlauf der Jagd gibt es mehrere Möglichkeiten:  

·    Mitunter schafft es das Kaninchen, seinen Verfolgern zu entkommen, indem es sich aus der Sichtweite der Hunde rettet und dann in einem Versteck verschwindet; da der Eigengeruch des Kaninchens nur sehr schwach ist, hat es gute Chancen, nicht mehr entdeckt zu werden. 

·    Wenn einer der Hunde das Kaninchen erbeutet, bringt er es zu seinem Besitzer; oft allerdings verfolgt von seinen Rudelgenossen, die versuchen, ihm die Beute zu entreißen – mehrfach erlebe ich, dass einer der Jäger eingreifen muss, damit sich die Hunde nicht um die Beute balgen. 

·    Während der Zeit, in der das Jagdgesetz den Gebrauch von Schusswaffen zulässt, erlegen die Jäger das flüchtende Kaninchen oft mit einem Schuss aus der Schrotflinte, sofern sich die verfolgenden Hunde in ausreichend sicherem Abstand befinden. 

·    Sehr häufig flüchtet sich das Kaninchen auch in ein neues Versteck. Wenn dies geschieht, kommt das Frettchen zum Einsatz. 

Der Einsatz von Frettchen auf der Jagd nach Wildkaninchen ist mir bereits aus Malta vertraut; er ist immer dann notwendig, wenn es die Beute geschafft hat, sich in ein für die Hunde unzugängliches Versteck zu flüchten oder wenn die Hunde – was ebenfalls oft vorkommt – durch Bellen und Scharren anzeigen, dass sie ein verborgenes Kaninchen in einer Felsspalte oder in einer Steinmauer lokalisiert haben. 

Das Frettchen wird an der von den Hunden angezeigten Stelle angesetzt und nimmt die unterirdische Verfolgung der Beute auf. Das Frettchen trägt dabei ein Halsband mit kleinen Glocken, deren Geräusch es erlaubt, seine Position zu verfolgen. Auf Malta und in anderen Regionen, in denen mit Hunden und Frettchen gejagt wird, ist es zusätzlich üblich, dass man die Verstecke der Kaninchen mit Netzen abdeckt, in denen sich das Kaninchen verfängt, sobald es an die Oberfläche flüchtet. Der Gebrauch dieses Hilfsmittels, dessen Verwendung bereits aus der griechischen Antike überliefert ist, ist allerdings auf den Kanarischen Inseln verboten; nicht jeder Jäger hält sich daran, doch wer bei der Jagd mit Netzen ertappt wird, muss mit empfindlichen Strafen und mit dem Entzug seiner Jagdlizenz rechnen.

In erster Linie muss sich der gesetzestreue kanarische Jäger also auf die Aufmerksamkeit seiner Hunde verlassen, die jedes Geräusch im Versteck des Kaninchens sehr aufmerksam verfolgen und sofort die Verfolgung aufnehmen, wenn das Frettchen die Beute ins Freie getrieben hat. Manchmal fangen die Jäger auch ein Kaninchen mit der Hand, wenn es sein Versteck in einer vulkanischen Röhre verlässt, oder sie halten ein Corcho vor das Versteck des Kaninchens – manchmal hält das Kaninchen die dunkle Röhre nämlich für einen vermeintlich sicheren Unterschlupf und geht so von selber in die Falle. Wenn ein Kaninchen lebend gefangen wird, verwenden die Jäger es zur Zucht und lassen es mitsamt seinem Nachwuchs in der nächsten Jagdsaison wieder frei.  

Die getöteten Kaninchen wandern zumeist bereits am Abend des Jagdtages in den Kochtopf – „Conejo en Salsa“, Kaninchen in scharfer roter Sauce (mojo colorado) ist eines der Nationalgerichte der Kanarischen Inseln, das ich während meines Aufenthaltes mehrfach probieren konnte. Übermäßig groß ist die Ausbeute allerdings nie – das felsige, zerklüftete Gelände bietet den Kaninchen Versteckmöglichkeiten mehr als genug, als typisches Beutetier ist das Kaninchen außerdem mit sehr feinen Sinnen ausgestattet, die es ihm erlauben, das Auftauchen von Feinden frühzeitig zu erkennen, und schließlich tun auch die Beschränkungen des Jagdrechtes ein Übriges, den Kaninchen eine faire Überlebenschance zu gewähren.

Wichtiger als der Jagderfolg ist den meisten kanarischen Jägern aber wohl ohnehin das Erlebnis, sich mit den Hunden in freier Natur zu bewegen. Und natürlich ist die Jagd mit dem Podenco Canario für viele von ihnen eine Tradition, die schon von ihren Vätern, Großvätern und Urgroßvätern ausgeübt wurde, und deren Tricks und Kniffe sie an ihre Kinder weitergeben.